TLZ 10. Dezember 2016

Wenn Fuchs und Elster in den Töpfen der Draußenkocher landen

Die Weimarerin Jana Rogge hat mit Grillfreunden ein Spezialitätenbuch erstellt: das „Wild Kitchen Project“

Wild? Viele Köchinnen und Köche trauen sich da nur zögerlich ran. Sie kaufen in Folie eingeschweißtes Schweinehack im Supermarkt. Wild! Jana Rogge aus Weimar, ihr Lebensgefährte Michael und ihre Freunde können davon nicht genug kriegen. Bei ihnen kommt vom Wildschwein über Damwild, Reiher und Elster sowie Dachs und Fuchs fast alles auf den Grill, in den Smoker oder den Dutch Oven. Nicht zu jeder Zeit und an jedem Ort, denn Wildtiere sind mehr oder minder geschützt. Und was zum Beispiel in Thüringen gar nicht zum Verzehr zugelassen ist – beispielsweise der Fuchs – kann in der Schweiz ein legaler Leckerbissen sein. All das muss bedachtwerden bei der Wild-Zubereitung nach Art des „Wild Kitchen Projects“, das Jana Roggejetzt im Weimarer Eckhaus-Verlag herausgegeben hat. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen gar kein Fleisch essen, gehen Jana Rogge und ihr Mann Michael den anderen Weg: Sie bereiten am liebsten draußen zu, was aus dem Wald kommt.

Er ist Jäger, sie experimentiert gern – kochen und essen finden beide gut. Zudem fotografiert Jana gut, womit ein weiterer Grundstein für das ansprechende Buch gelegt werden konnte.Zu zweit wäre „Wild Kitchen“ kein richtiges Projekt gewesen. Doch Andreas, „Adde“ genannt und ebenfalls aus Weimar, komplettierte das Team „Ugah Dopf“, das am liebsten Essen im Dutch Oven zubereitet. DieserTopf, der in die Glut gestellt wird, ist derzeit groß in Mode bei denen, die lieber im Freien als in der Küche köcheln. Freund und Mitautor Stephan „Bonsai“ Berghaus, seine Frau Bianca sowie Tochter Zarah sind Barbecue-Fans – und auch auf BBQ-Meisterschaften erfolgreich.
„Bonsai“ tüftelt gerne an der Verbesserung von Rezepten. Luca und Christian aus Korschenbroich gehören zu den Grillflämmkes, kennen sich aus der Jugend und wurden im Team in diesem Jahr Deutsche Amateurgrillweltmeister. „Darauf sind wir allesamt ein bisschen stolz“, heißt es im Buch.
Komplettiert wird die Runde durch „Waterkant BBQ“ mit Uli und Marcus, die zudem als Caterer in diesem Bereich arbeiten. In Hamburg wird daher an diesem Wochenende das Buch zum „Wild Kitchen Project“ präsentiert.
In Thüringen soll es im neuen Jahr einen Termin geben – voraussichtlich im Februar; wann und wo genau wird Jana Rogge vorher noch mitteilen.
Zum Wildfleisch gekommen sind Jana Rogge und ihre Freunde vor allem auch deshalb, weil sie nicht nur die Natur lieben, sondern zudem Massentierhaltung ablehnen. Sie hatten die Wahl, entweder ganz auf solches Fleisch zu verzichten – oder sich nach Alternativen umzuschauen. Wild lag nahe, zumal einige von ihnen Jäger sind. Doch zunächst war vor allem das Wissen um die besten Stücke da. Das Ziel war aber nicht nur, mit der Zubereitung von möglichst vielen Tieren zu experimentieren, sondern auch möglichst jeweils das ganze Tier zu verwerten. Das, was beim „Wild Kitchen Project“ jetzt als Buch vorliegt, ist eine Dokumentation des Vorhabens und keine klassische Rezepte-Sammlung. „Wir gehen davon aus, dass ihr euer Gargerät der Wahl bedienen könnt. Und dass ihr nicht das erste Mal ein Stück Fleisch röstet“, heißt es. Das Buch will vor allem auch Anregung sein, selbst am offenen Feuer, auf dem Grill, im Smoker oder im Dutch Oven manches Neue zu wagen. Übrigens: Das Buch ist nicht nur etwas für Wildfleisch-Esser: „Bonsais“ Tochter Zarah steuert einen süßen Crumble bei, die Grillflämmkes servieren Schokoküchlein; auch Pesto-Rezepte finden sich im Buch. Denn: Ein schmackhaftes Mahl braucht eben doch mehr als nur eine große Portion Fleisch – und sei es noch so „wild“. Im Mittelpunkt aber stehen Krähenstrudel, Waschbär-Gulasch oder Muffel am Spieß …

Für Jana Rogge und ihre Freunde ist das Projekt nicht abgeschlossen.
Infos gibt es unter www.wild-kitchen.de

2017-01-23T10:27:55+00:0010. Januar, 2017|Categories: Allgemein, Rezensionen, Wild Kitchen Project|0 Comments

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