Ein Besuch bei dem Eimsbütteler Autor Peter Garcia

///Ein Besuch bei dem Eimsbütteler Autor Peter Garcia

Völker sind zum Mischen da

Ein Besuch bei dem Eimsbütteler Autor Peter Garcia

Er strahlt diese Ruhe aus von einem, der angekommen ist. Endlich. Als Sohn eines alliierten Besatzungssoldaten erlebt Peter Garcia Rassismus und Gewalt innerhalb und außerhalb seiner deutschen Familie. Man schimpft ihn Franzosenbalg, Judenbengel, Kanake. Mit 14 Jahren erfährt er, woher sein leiblicher Vater stammt. Drei Länder sind beteiligt, was die Vatersuche in Zeiten ohne Internet erschwert. Auf dem langen Weg zu seiner Identität zieht Peter Garcia mit 20 ins Ausland – weit weg von dem Stiefvater, der ihn schlägt, dem Stiefonkel, der ihn missbraucht. Er wird Kommunist, Dritte-Welt-Fan und beschäftigt sich nicht nur mit den eigenen, sondern auch mit den Wurzeln der Deutschen.

Was bedeutet Heimat für Sie? Seit 40 Jahren ist Hamburg meine Heimat. Vorher war das ein eher ruheloses Umherirren. Ich bin zu je einer Hälfte Spanier, Franzose und Deutscher. Schreiben Sie das ruhig so, für mich geht diese Rechnung auf. Heimat bezieht sich bei mir nicht auf ein Land, sondern auf diese Stadt.

Ihr Buch ist nicht nur Identitätsfindung, sondern auch ein Beitrag zur aktuellen Zuwanderer- und Flüchtlingsdebatte. Die Deutschen sind von ihrer Herkunft eine wilde Mischung aus Kelten, Slawen, Germanen und sogar Steppenvölkern. Auch jüdische Gene sind dabei. Im Großen und Ganzen ist das eine Debatte, die so gar nicht notwendig wäre. Es wäre viel schöner, wenn sie sich darauf besinnen würden, was für einen wundervolle Mischung sie selbst sind und das Deutschland ohne die Zuwanderung der letzten Jahrhunderte ausgedünnt wäre.

Ihr Vater war Franzose mit algerischen Wurzeln. Wie war das erste Treffen mit ihm? Ich habe ihn über eine Annonce in einer französischen Zeitung gefunden. Das war ein Riesenglück. Er war 60, ich 39. Als wir uns dann an dem Brunnen in Aix en Provence gegenüberstanden, war er wie ein Spiegelbild: Das bin ich! Unglaublich! Bis zu seinem Tod 2004 hatten wir Kontakt.

Wie wichtig ist das Buch für Sie? Sehr wichtig. Viele Dinge hatte ich tief in mir vergraben. Ich habe immer viel gearbeitet, war viel unterwegs. Erst als ich pensioniert wurde, Zeit zum Nachdenken hatte und anfing zu schreiben, habe ich die kausalen Zusammenhänge zwischen diesen Dingen verstanden.

Wie lange hat das gedauert? Dreieinhalb Jahre. Am Anfang habe ich nur für mich geschrieben. Dann wurde eine spannende Geschichte daraus. Ich kriege sehr viel positive Resonanz und inzwischen wenden sich viele Menschen an mich, die sich mit der Frage nach ihrer Identität beschäftigen und Brüche in ihrer  Familiengeschichte haben. Für diese Begegnungen bin ich dankbar.

Vita Apotheke Eimsbüttel
März / April 2017

2017-05-17T10:33:12+00:00 17. Mai, 2017|Kategorien: Aktuelles|0 Kommentare

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